Warum ist es am Rhein so schön?

Mit dieser Frage haben sich die „Paddel-Neulinge“ Helga, Marcel, Robert und Hans-Wolfgang zu ihrer ersten großen Tour dem „Paddel-Profiteam“ (Karin, Inge, Verena, Bernd, Edward, Gerd, Klaus, Manfred) anvertraut. Beim Vorbereiten des Fahrzeugs am Bootshaus gab es eine fast routinemäßige Gelassenheit: Boote heraustragen, Paddel, Schwimmwesten, Spritzdecken und weitere wichtige Sachen einladen, Boote (mit dem Bug nach vorne!) auf den Trailler heben und richtig festzurren.....

 

Nach einer letzten Überprüfung konnte der Start zum großen Abenteuer freigegeben werden. Schon nach wenigen Kilometer des sanften Gleitens breitete sich eine schläfrige Gemütlichkeit im hinteren Teil des Kanu-Shuttles aus, insbesondere weil man unserem Piloten Edi volles Vertrauen schenkte. Doch plötzlich erhöhte sich die allgemeine Aufmerksamkeit. Edi musste mit seinem Gespann die steile Abfahrt ins Rheintal nach St. Goar meistern.

 

 

Am Bootshaus des Rudervereins angekommen, komplettierte sich das FWF Team (Inge, Verena, Bernd und Gerd mit eigenem PKW angereist) Auch konnten wir Kanuten vom Verein WSV Norden (Bärbel, Hans, Jan) begrüßen. Minuten später begannen alle mit großer Emsigkeit sich im Bootshaus, andere im Zelt, häuslich einzurichten: Schlafplatz auswählen, Luft- und Isomatten ausbreiten, Zelte aufbauen, Kühlschrank füllen und, und, und...

 

 

Später trafen sich alle auf der Terrasse mit wunderbarem Blick auf Rhein, St. Goar, umliegende Landschaft und das allgemeine Geschehen in der Umgebung. Dabei wurde natürlich ausgiebig gegessen, erzählt, zugehört...

und irgendwie hatte man als Neuling jetzt das Gefühl, schon immer dabei gewesen zu sein. Nach einem Besuch der „Loreley“ (hier handelte es sich aber um ein Lokal!) konnten sich alle zufrieden zur Ruhe legen.

 

 

Am nächsten Morgen war zunächst jeder mit sich selbst beschäftigt: waschen (naja), aufräumen, Sachen zusammen suchen, zwischendurch Frühstück vorbereiten.... alles war in Bewegung. Als Verena mit frischen Brötchen zurück kam und an die Hungrigen verteilt hatte, stellte sich für kurze Zeit Frühstücksstimmung ein, doch dann wollten wir nun endlich aufs Wasser.

 

 

Der "Kanu-Bus" brachte uns rheinaufwärts nach Ingelheim. Nach dem Einsetzen der Kanus konnte die erste Etappe nach St. Goar beginnen. Auf den ersten Kilometern zeigte sich der Rhein beinahe so wie wir ihn von Düsseldorf her kennen. Aber in der Ferne ahnte man schon, dass der Rhein durch seinen tiefen Einschnitt ins Tal eine einzigartige Landschaft gestaltet haben muss. Plötzlich kamen sich die Ufer immer näher und die Strömung wurde zunehmend stärker. Eine echte Herausforderung für die Kanu-Neulinge, zumal sie auch noch die Schönheit der Landschaft genießen wollten.

 

 

Schon bald stellte sich aber das richtige Gleichgewicht zwischen sportlicher Betätigung, Landschaftserlebnis und notwendiger Achtsamkeit ein. Der Rhein war ununterbrochen gesäumt von Schlössern, Burgruinen, Weinbergen und romantischen Orten. Wir paddelten durch eine Kulturregion mit mittelalterlicher Vergangenheit, Weltkulturerbe märchen- und legendenumwoben.

 

 

Eine besondere Abwechslung mit großem Erlebniswert haben wir uns dann noch selbst geschaffen. Nach kurzer Anlandung auf einer Insel wurden Kanus paarweise verbunden. Deren Paddler kamen dann auch ins Wasser und ließen sich, festgeklammert an den Booten und von den Schwimmwesten getragen, mit der Strömung zwischen Ufer und der Insel treiben, wo keine Schiffe fahren. Was mochte so manch ein Passant am Ufer über uns denken? Zum Glück hat keiner ein Rettungsboot alarmiert! Am Ende der Insel stand die malerische "Pfalz im Rhein". Dort gingen Paddler und Schwimmer an Land, um eine ausgiebige Pause zu machen. Die Burg diente im 13. Jahrhundert als Zollstation und ist heute neben der Marksburg die einzige unzerstörte mittelalterliche Burg am Rhein.

 

 

Nach dem Verlassen der Insel paddelten wir weiter in Richtung St. Goar. Alle wussten, das wir bald die bekannteste Stelle am Rhein passieren werden. So manch einer von uns wird sich jetzt spätestens an die berühmte Sage der Loreley erinnert haben, im vollen Bewusstsein, das wir auch in einem Boot sitzen. Man könnte mit Heinrich Heines bekannten Gedicht "Die Lore-Ley" sagen:

 

"... den Schiffer (Kanuten) im kleinen Schiffe (Kanu)

ergreift es mit wildem Weh;

er schaut nicht die Felsenriffe,

er schaut nur in die Höh.

 

Ich glaube, die Wellen verschlingen

Am Ende Schiffer und Kahn;

und das hat mit ihrem Singen

die Lore-Ley getan.“

 

 

Aber der moderne Kanut verlässt sich heute auf sein Können und Material und glaubt nicht an solche, in Sagen und Gedichten beschriebenen Kräfte!? Mit staunendem Blick auf den hohen Felsen und die Nixe Loreley (als Statue) kamen wir alle unbeschadet am Felsen vorbei. Dann eine kurze Orientierung, denn der Rhein musste schon bald nach St. Goar überquert werden. Dies war auf dieser Etappe die schwierigste, beinahe unberechenbarste Situation gegen Wellen und Strömung. Hatte die Loreley hier doch noch ihre Hände im Spiel?

 

 

Letztendlich sind aber alle wohlbehalten am Bootshaus angekommen. Dort wurde dann Kaffee getrunken, geduscht (im Keller mit kaltem Wasser aus dem Gartenschlauch) und geruht. Abends ließen wir, nach einem kurzen Spaziergang durch St. Goar, den Tag im Lokal „Loreley“ bei gutem Essen und Wein ausklingen.

 

 

Der nächste Tag begann mit dem üblichen morgendlichen Treiben. Diesmal mussten sämtliche Sachen, die nicht zum Paddeln gebraucht wurden, in die Autos gepackt werden, denn Verena, Inge und Edward versetzten die Autos an unsren Endpunkt nach Spay. Nach der Rückkehr mit dem Zug, starteten wir zur letzten Etappe. Burgen und Schlösser waren nicht mehr so häufig zu sehen, der Rhein wurde zunehmend breiter und die Weinbergflächen wurden immer größer. In einer Rheinbiegung tauchte plötzlich hoch auf einem Felsen die bekannte Marksburg auf. Dies signalisierte schon das nahende Ende der Paddeltour in Spay. Nur Bärbel, Hans und Jan konnten sich glücklich schätzen, da ihre Reise noch weiter bis zum FWF-Bootshaus geplant war.

 

 

In der Rückschau stellt sich noch einmal die Frage: „Warum war es am Rhein so schön?“ Weil wir alle ein Paddel-Wochenende mit einer tollen Gruppe, bei gutem Wetter und schöner Flusslandschaft erlebt haben!

 

Text und Bilder: Hans-Wolfgang K.

 

 

 

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Kommentare

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Hans D. Wittler from Hagermarsch / Ostfriesland
Mittwoch, 06-09-06 12:44

Heureka - ein wirklich toller Bericht!!
Hans-Wolfgang hat sich richtig viel Mühe gegeben. Dem Bericht ist fast nichts mehr hinzuzufügen. Außer vielleicht... daß am zweiten Tag der stark böige Wind (natürlich blies der - wie meistens - von da wo man hin will) doch ab und an zu schaffen machte.
Die nicht so erquicklichen Begebenheiten werden meist ausgeblendet, und man erinnert sich vornehmlich an die neuen und schönen Eindrücke.
Auch das mit dem "glücklich schätzen" die Tour von Spay aus bis Düsseldorf durchzuziehen kann nicht ohne Bemerkung stehen gelassen werden. Nach Stopps in Vallendar und Unkel kam die Fleißetappe mit 98 Km am Stück (weil die Zeit drängte). Der Wind vom zweiten Tag blieb uns bis zum Schluß ein treuer Begleiter, und schob irgendwo zwischen Stürzelberg und Uedesheim ein paar schwere, dunkle Wolken über uns, die sich dann auch prompt entluden.
Das soll jetzt kein Gejammer sein, wir wollten es ja nicht anders.
Die St. Goar-Tour ist nicht von ungfähr seit ichweisnichtwievielen Jahren im Programm.
St. Goar ist im Laufe der Jahre zur "Kultour" geworden. Nun haben sich wieder einige Kameraden mit dem Mittelrheinvirus infiziert. So kann die Tour noch weitere ichweisnichtwieviele Jahre alle Jahre wieder im Programm stehen.

Verena Wittler from Büttgen
Montag, 04-09-06 21:56

Danke, Hans-Wolfgang, für deinen Bericht und die schönen Fotos. Du hast das besondere Flair dieses Rheinabschnitts gut herausgestellt. Es ist für uns immer wieder ein Erlebnis, auch wenn wir jedes Jahr mindestens einmal dort sind. Wir erfahren dort die Kräfte der Natur in besonders intensiver Weise. Im nächsten Jahr werdet ihr es noch mehr geniessen können.

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